Wir gegen hartz & co
Unser Beitrag erschien in Stadtzeitung Saarbrücken, März/April 2003
Sklavenhändler
Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
Ich verkauf dir meine Hände, ich verkauf dir meinen Kopf.
Ich versprech dir, nicht viel zu denken, und ich schau dir nicht in deinen
Topf.
Für mich bist du der Engel, der uns Armen Arbeit gibt.
Ohne dich wär ich verhungert, ich bin froh, daß es dich gibt.
Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
Sklavenhändler, geh zum Telefon.
Hörst du nicht, es klingelt schon.
Und wenn ich sieben fuffzich verdiene, geb ich dir drei fuffzich ab.
Ich brauch nur was zu essen und vielleicht ein bißchen Schnaps.
Ich brauch überhaupt nicht viel Geld, denn ich bin ein schlechter Mensch.
Ich hab mein ganzes Leben nichts gelernt, außer daß man besser
die Fresse hält.
Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
Sklavenhändler, hast du Arbeit für mich?
Sklavenhändler, ich tu alles für dich!
(Ton, Steine, Scherben 1971)
Bildunterschrift: Rio Reiser
und dann folgt dieser Text.
"Sklavenhändler". Bei einer frühen Einspielung des Songs
1970 machte Rio Reiser folgende Ansage: "´N Sklavenhändler,
det is´n Typ, zu dem man jeden Morgen gehen kann und seine Arbeitskraft
verkaufen kann. Der verkauft sie dann weiter an irgendwelche Firmen, die bei
ihm jeden Tag vorm Mittag Arbeitskräfte bestellen. Dafür kassiert
er zwei Drittel vom Lohn ungefähr, etwas verschieden. Das ist der Sklavenhändler
der Neuzeit."
Nach dem Hartz-Konzept organisieren dies nun die Personal-Serviceagenturen,
nicht nur für den Tag sondern auf Dauer.
Proteste gegen "Hartz-Konzept" der Bundesregierung
Das Hartz-Konzept
regelt die Enteignung der Arbeitslosen und von Teilen der Arbeitnehmerschaft.
.
Bundesregierung organisiert Weg in den Neoliberalismus
Am 15. März 2002 hatte Bundeskanzler Schröder die "Kommission
Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" ("Hartz-Kommission")
eingesetzt. Das fünfzehnköpfige Gremium legte am 16. August einen
343 Seiten umfassenden Endbericht vor. Dessen Empfehlungen wurden bereits
zwei Tage später auf einer Parteikonferenz der SPD, drei Tage später
durch den Vorstand von Bündnis 90/Die Grünen und weitere zwei Tage
darauf durch einen Kabinettsbeschluss zum Standpunkt der Bundesregierung gemacht.
Es geht bei der Umsetzung des Hartz-Konzeptes nicht um den Abbau von Arbeitslosigkeit, sondern es geht einzig darum, den Arbeitsmarkt nach den Bedürfnissen der Industrie zu organisieren. Es geht darum, die Kosten der Arbeit zu senken und dem Markt Arbeitskräfte zu Löhnen zur Verfügung zu stellen, die "ihren Mann" oder "ihre Frau" nicht einmal "ernähren".
Arbeitslosgeld I und II oder wie die Bundesregierung die Arbeitslosen um 1,7 Milliarden erleichtert. Bisher bekommen Arbeitslose entweder Arbeitslosengeld, -hilfe oder Sozialhilfe. Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sollen unter dem Titel "Arbeitslosengeld II" zusammen gelegt werden. Bisher darf ein Arbeitslosenhilfebezieher 520 Euro pro Lebensjahr (maximal 33800 Euro) angespart haben. Gewährte dies eine gewisse Mobilität und einen Notgroschen für das Alter, so darf in Zukunft ein Bezieher von Arbeitslosengeld II über maximal 13 000 Euro verfügen. Das macht unterm Strich 1,7 Milliarden Euro für die Bundesregierung. Zu befürchten ist, dass dieser Happen der Regierung noch nicht genügt und dass die sogenannten Bedürftigkeitsregeln im nächsten Jahr denen der Sozialhilfe in etwa angepasst werden, d.h. maximal 1279 Euro Vermögen für Alleinstehende.
Wo keine Arbeit ist kann sie auch niemand vermitteln.
Obwohl in den letzten Monaten 10000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zusätzlich
zur Arbeitsvermittlung eingesetzt wurden, ging die Zahl der tatsächlich
vermittelten Arbeitslosen in einen Job zurück. Auf diesem Hintergrund
ist es geradezu grotesk, dass immer mehr Vermittler eingestellt werden, wenn
man weiß, dass diese immensen Gelder aus dem Budget für Weiterbildung
& Qualifizierung entnommen werden. So werden heute bereits 30% mehr finanzielle
Mittel diesbezüglich eingespart.
Die PSA, die Wunderwaffe im Kampf gegen Arbeitslose
Die PSA (Personalserviceagenturen) sollen die Zurichtung des Arbeitsmarktes
im Sinne der Arbeitgeber besorgen: Steigerung der Attraktivität des Arbeitsangebotes,
kostengünstige Probezeit, Reduzierung/Aufhebung des Kündigungsschutzes.
Die PSA, die oftmals direkt von Zeitarbeitsfirmen betrieben werden, schaffen
ein Arbeitsangebot für Schwangerschaftsvertretungen, Urlaubsvertretung,
saisonale Tätigkeiten etc. zu günstigen Konditionen. Des weiteren
erhalten Arbeitgeber die Möglichkeit Arbeitskräfte gegen geringes
Entgeld zu leihen.
In der Probezeit erhalten Arbeitnehmer Lohn in Höhe des Arbeitslosengeldes.
Das durchschnittliche Arbeitslosengeld einer unverheirateten Frau belief sich
auf 610 Euro im Jahr 2001. Anschließend soll die so bereits Geschröpfte,
wenn "Hartz" umgesetzt wird, 70% ihres letzten Bruttogehaltes Brutto
bekommen.
Die gezahlten Billiglöhne der über PSA vermittelten Jobs führen bei regulärer Beschäftigung zu sinkenden Einkommen. Zum Beispiel, wenn Aldi 20 Mitarbeiterinnen mit regulärem Einkommen entlassen würde, kann Aldi die so Entlassenen über PSA 30% kostengünstiger wieder einstellen. Hat die PSA mit einer von ihr vermittelten Arbeitnehmerin einen Arbeitsvertrag, aber gerade mal keine Arbeit, wird sie der gemeinnützigen Zwangsarbeit zugeführt, etc..
Was tun gegen "Hartz", gegen Arbeitszwang,
Niedriglöhne, etc.
Seit die Pläne des ehemaligen VW-Managers Peter Hartz zur Umstrukturierung
von Arbeitsmarkt und Sozialsystemen konkrete Gestalt annehmen, regt sich der
Protest. Nach dem Ruhrgebiet und Frankfurt/Main hat sich jetzt auch in Berlin
ein Anti-Hartz-Bündnis gegründet, das mehrere Arbeitsgruppen und
auch schon eine eigene Grundsatzerklärung hat
- Aktionsbündnis: Im Anti-Hartz-Bündnis haben sich unterschiedliche
Gruppen und Einzelpersonen zusammengeschlossen, die sich einig sind in der
Ablehnung der Hartz-Vorschläge und der daraus hervorgehenden gesetzlichen
Neuerungen, die aber unterschiedliche inhaltliche Positionen (Meinungen, Standpunkte)
vertreten.
- Selbstverständnis der AG-Aktionen: "Die AG Aktionen versteht sich
als Aktionsbasis der im Anti-Hartz- Bündnis aktiven Gruppen. Wir möchten
in einem ersten Schritt eine bessere gegenseitige Information über mögliche
Termine und Aktionen ... sicherstellen. Wir wollen gegen die Vereinzelung
von Gruppen wirken und durch unser konkretes Beispiel klarmachen, dass gemeinsames
Handeln möglich ist und Not tut. In einem zweiten Schritt möchten
wir daher versuchen aus der im Anti-Hartz-Bündnis vertretenen Gruppen
Solidaritätsabordnungen zu entsenden (notfalls werden das die Mitglieder
der Aktions-AGs sein), wenn eine dieser Gruppen Aktionen durchführt.
Wir verstehen uns als Ideenschmiede und Werkstatt für öffentlichwirksame
Aktionen ... ."
Kontakt: anti-hartz
Bernd Rausch